Symptome und Verschlechterungen im Blick

Berlin, 27.03.2024 | Lesezeit: 1 Min.

Nicht nur die Diagnose einer COPD oder eines Asthmas kann schwierig sein. Auch die weitere Kontrolle des Krankheitsverlaufs und des Schweregrades kann eine Hürde darstellen, da die Zeit in der Sprechstunde knapp sein kann und Patienten*innen häufig vergessen, beispielsweise von Verschlechterungen zu berichten. An dieser Stelle können Sie Fragebögen unterstützen. Diese können im Wartezimmer ausgefüllt werden oder regelmäßig zuhause. Wir stellen die wichtigsten Fragebögen für COPD und Asthma vor.

Bei der COPD stehen mehrere, gut etablierte Fragebögen zur Verfügung:

COPD Assessment Test (CAT)

  • Der CAT ™ dient der Abschätzung der Krankheitslast im Alltag, einer Einschätzung des Schweregrades der COPD sowie der Erfolgskontrolle der Therapie.
  • Fragt die klinische Symptomatik einer COPD in acht Fragen ab.
  • Abgefragt werden Husten, Verschleimtheit, Engegefühl in der Brust, Probleme beim Treppensteigen, Bedenken das Haus aufgrund der COPD zu verlassen, Schlafqualität und Energie.
  • Pro Frage werden von 0 (keine Symptomatik) bis 5 (maximale Symptomatik) Punkte vergeben. Die maximale Punktzahl beträgt 40.

Monitoring of Exacerbation Probability (MEP)

  • Der MEP-Fragebogen dient der strukturellen Erfassung von COPD-Exazerbationen im Rahmen jeder Verlaufskontrolle.
  • Er besteht aus fünf einfach verständlichen Fragen, die mit Ja oder Nein beantwortet werden.
  • Er fragt ab, ob sich Symptome seit der letzten Kontrolle deutlich verschlechtert haben, ob deshalb außerplanmäßig ein Arztbesuch notwendig wurde, ob es COPD-bedingte Krankenhausaufenthalte gab und ob Medikamente häufiger angewendet wurden oder zusätzliche Medikamente benötigt wurden.
  • Die Autoren*innen kommen nach Auswertung der Daten zu dem Schluss, dass bereits ein MEP-Score von 2 (zwei Ja-Antworten) ein Signal für eine stattgehabte Exazerbation darstellt.
  • Eine Evaluationsstudie zeigte: Den Autoren*innen zu Folge belegt die Studie einen hohen Nutzen des Fragebogens für die Erfassung und Dokumentation zurückliegender Exazerbationen im Praxisalltag.1

Asthma Control Test (ACT)

Zur Verlaufskontrolle der Asthmasymptomatik steht folgender Fragebogen zur Verfügung:

  • Der ACT ™ dient der Ermittlung der Asthmakontrolle.
  • Er besteht aus fünf Fragen.
  • Abgefragt werden Einschränkungen beim Erledigen alltäglicher Aufgaben, Kurzatmigkeit, Beeinträchtigung des Schlafes durch Asthmasymptome, Bedarf an Notfallmedikation und die Selbsteinschätzung der Asthmakontrolle. Die Fragen beziehen sich jeweils auf den Zeitraum der letzten vier Wochen.
  • Pro Frage werden von 1 bis 5 Punkte vergeben. Die maximale Punktzahl beträgt 25. Je höher die Punktzahl ist, desto besser ist das Asthma kontrolliert.
  • Es gibt auch eine Variante des ACT für Kinder unter 12 Jahren, der mit sieben Fragen sowohl die Wahrnehmung des Kindes als auch der Eltern einbezieht.

CAPTURE: COPD Diagnostik in der Hausarztpraxis

Für die Hausarztpraxis steht außerdem ein neuer Fragebogen als niederschwelliges Screening Tool für unerkannte COPD zur Verfügung. Allerdings ist die Sensitivität ohne begleitende Diagnostik mit 48,2 % noch relativ niedrig.2

  • Der CAPTURE ™ Fragebogen wurde entwickelt, um beim COPD-Screening in der Hausarztpraxis zu unterstützen, sodass potenziell gefährdete bzw. erkrankte Menschen weiter untersucht werden können.
  • Er besteht aus fünf Fragen zu Luftschadstoffexposition (Luftverschmutzung, Rauchen oder Staub), saisonaler Variabilität der Atmung, Atemproblemen bei körperlicher Belastung, körperlicher Erschöpfung und Häufigkeit von Atemwegsinfekten während des letzten Jahres.
  • Bei einem Wert zwischen 2–4 Punkten sollte eine Peak-Flow-Messung stattfinden. Bei einem Wert ab 5 sollte auf jeden Fall eine ausführliche Abklärung stattfinden.
  • Ohne begleitende Peak-Flow-Messung oder Lungenfunktionsdiagnostik lag die Sensitivität bei 48,2 % und die Spezifität bei 88,6 %, wie eine aktuelle Studie im US-amerikanischen Versorgungsumfeld ergab.2 Allerdings könnte der Fragebogen ein einfaches Vorgehen für die tägliche Praxis bei der Abgrenzung zu lungengesunden Menschen sein. Die Autoren*innen resümieren, dass der CAPTURE ™ -Fragebogen die Chance, dass Betroffene frühzeitig diagnostiziert und behandelt werden können, erhöhen könnte, geben aber auch an, dass er weiterer Optimierungen bedarf.

Quellen:

  1. Hering, T., et al. Pneumologie, 2022; 76: 671–678
  2. Martinez, F., et al. JAMA, 2023; 329(6): 490–501

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