pneumoXperts – die Pneumologiepraxis der Zukunft

Berlin, 27.04.2022

Von Gematik bis Diagnostik – nichts wird derzeit hitziger diskutiert als die Digitalisierung der Medizin. Die einen träumen von KI (Künstliche Intelligenz)-gestützter Diagnostik, die anderen hoffen, dass doch endlich alle Komponenten der Telematikinfrastruktur (TI) funktionieren mögen, bevor dann mit TI 2.0 wieder eine Umstellung folgt. Im Rahmen der pneumoXperts-Fortbildungen Mitte März saßen sie alle gemeinsam an einem „virtuellen Tisch“ – haben Herausforderungen und Möglichkeiten der Pneumologiepraxis der Zukunft diskutiert, Brücken geschlagen und praxisnahe Hilfestellung im Kollegenkreis gefunden.

Mehrmals im Jahr treffen sich die PneumoXperts – ein fester Kreis von Pneumologen*innen aus Klinik und Praxis, um den Handlungsbedarf in der pneumologischen Praxis aufzuzeigen und gemeinsam Lösungsansätze zu erarbeiten. Für Impulsvorträge und interaktive Diskussionsrunden stehen dabei nationale und internationale Experten*innen aus unterschiedlichen Disziplinen der Lungenheilkunde zur Verfügung. Ein fester Bestandteil des Fortbildungsprogramms ist auch die Diskussion zu den Highlights von nationalen oder internationalen Kongressen. Ziel ist immer, die bestmögliche Versorgung von Menschen mit Atemwegserkrankungen zu gewährleisten.

Diskussionen im digitalen Barcamp

Herzstück des Aktiv-Workshops sind die virtuellen Barcamps. Hier gibt es statt „Frontal-Unterricht“ einen offenen Austausch in Kleingruppen. Die Veranstaltungsreihe ist bei den Teilnehmenden beliebt: „Die Möglichkeit des Austausches in den Gruppen, mit Kollegen war genial. Auch, dass die Gruppen sich selbst organisieren und nichts vorgegeben wird. Spontanität und Professionalität in sich vereint.“ Diesmal stand die Digitalisierung auf der Agenda. Anders als sonst bei Konferenzen üblich, gibt es kein vordefiniertes Programm. Die Pneumologen*innen bestimmen die Inhalte zu Beginn der Veranstaltung – und gestalten diese dann selbst. Mit reger Teilnahme, denn das Chaos rund um die Digitalisierung der Praxen scheint allgegenwärtig: Im Jahr 2021 bekamen die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU), die Patientenakte (PA) und das Rezept ein „e“ und KIM (Kommunikation im Medizinwesen) verbannte das Fax aufs Abstellgleis – theoretisch jedenfalls. Denn die teilnehmenden Pneumologen*innen beklagen, dass vieles nicht fehlerfrei funktioniert. Viele bemängeln, dass KIM nur holprig anlaufe, da eine flächendeckende, transsektorale und interdisziplinäre Anwendung fehle – was den Austausch zwischen Pneumologen*innen und Hausärzten*innen sowie Praxis und Klinik deutlich erschwere. Vor allem die e-Version von Arztbrief und Patientenakte stand bei den teilnehmenden Lungenärzte*innen oben auf dem Wunschzettel. Hier heißt es Geduld beweisen, denn bislang ist nur die die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) überhaupt in der Pilotphase, das elektronische Rezept, sowie die elektronische Patientenakte (ePA) befinden sich weiterhin in der Testphase.

Schnelle und klare Informationsquelle

Nicht nur das „wann“ sondern auch das „wie“ ist bei den Anwendungen entscheidend: Die ePA müsse auch praktikabel sein, einen schnellen Überblick geben und nach Informationen filterbar sein: Bestünde die ePA nur aus einem pdf, wäre das kein bedeutender Unterschied zur klassischen Patientenakte – insbesondere, wenn diese sehr umfangreich ausfiele. Diskutiert wurde in diesem Zusammenhang auch über den Notfalldatensatz (NFDS) – eine Kurzakte, die auf dem Chip der Gesundheitskarte gespeichert ist. Im NFDS sollten alle wichtigen Diagnosen, eingenommene Medikamente etc. vermerkt sein. Man könne diesen eigentlich völlig unkompliziert zum Austausch zwischen behandelnden Ärzten*innen nutzen, so der Vorschlag. Für den schnellen Zugriff auf Röntgenaufnahmen, Befunde etc. ist er jedoch nicht geeignet und löst somit nicht das Problem, das teilweise sogar Ärzte*innen, die in der Klinik und im MVZ derselben Einrichtung arbeiten haben. Ein Chefarzt berichtete, dass er zwei Rechner bräuchte, um auf beide Datensätze einer*s Patienten*in gleichzeitig zugreifen zu können. Bilder aus dem ambulanten Bereich müssten seine Patienten*innen auf CD mitbringen. Die Kollegen*innen hatten reichlich Schwierigkeiten, aber auch Lösungsansätze zu berichten: In Berlin behilft man sich nach Aussage eines dort niedergelassenen Pneumologen mit einem webbasierten Angebot der Röntgenpraxen. Dort erhalten die Patienten*innen einen Code, den der*die Arzt*Ärztin dann abrufen und die Bilder herunterladen kann. Andere haben mit benachbarten Praxen ein VPN-Netzwerk eingerichtet, über das große Daten schnell ausgetauscht werden können. Bleibt abzuwarten, wann die Gematik hierfür eine flächendeckende Lösung erarbeitet. Bis dahin können die Tipps der Kollegen*innen beim Überbrücken helfen.

Realitätsnah, obwohl es digital war

Das Veranstaltungsformat des Barcamps mit Vorträgen, Workshops und Räumen für den Austausch in kleinerer Runde kam sehr gut an. Die Teilnehmenden diskutierten nicht nur in den digitalen Barcamps, der Austausch ging auch in den Pausen weiter. Auch die Chance sich selbst zu organisieren, ohne vorgegebenen Inhalten folgen zu müssen, bot den pneumoXperts eine hervorragende Möglichkeit für einen Dialog untereinander – auch digital.

Weiterführende Informationen

Infos zu KIM, ePa und E-Rezept finden Sie auf der Seite der Gematik. 
Weiter Details zum den pneumoXperts und anderen spannenden Fortbildungsformaten der Berlin-Chemie finden Sie hier hier.

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