Asthma und allergische Rhinitis gemeinsam denken – das United Airways Konzept in der Praxis

Berlin, 25.03.2026 | Lesezeit: 2 Min.

Allergische Rhinitis und Asthma sind laut United Airways Konzept keine isolierten Erkrankungen, sondern zwei Manifestationen einer chronisch-entzündlichen Atemwegserkrankung.1,2 Dem zugrunde liegt, dass Nase und Lunge eine funktionelle und immunologische Einheit bilden. Über diese Verbindung kann bei einer Allergie der Etagenwechsel zum Asthma passieren. Eine gute Asthma-Kontrolle ist ein zentrales Ziel der Asthma-Therapie3 – wird im Versorgungsalltag jedoch häufig verfehlt.4 Unkontrollierte Allergien können dabei eine maßgebliche Rolle spielen.1,3 Wird die Behandlung von Nase und Lunge Hand in Hand gedacht, kann das Verschlechterungen vorbeugen, die Symptomlast senken und die Lebensqualität der Patient:innen spürbar verbessern.2 Entscheidend ist daher, die allergische Rhinitis frühzeitig und konsequent mitzubehandeln.1,2

Bis zu 40% der Patienten*innen mit allergischer Rhinitis sind ebenfalls von Asthma betroffen.2,5 Umgekehrt weisen bis zu 80% der Menschen mit Asthma eine allergische Rhinitis auf.2,5 Eine frühe allergische Sensibilisierung im Kindesalter gilt als Risikofaktor für spätere Manifestationen in beiden Atemwegsetagen.6 Das United Airways Konzept geht davon aus, dass allergische Rhinitis und Asthma Manifestationen einer gemeinsamen chronisch-entzündlichen Atemwegserkrankung sind.2

Pathophysiologische Grundlage: gemeinsame Typ-2-Inflammation

Die pathophysiologische Basis liegt in gemeinsamen funktionellen und immunologischen Mechanismen in Nase und Lunge.2 Die anatomische Kontinuität erleichtert außerdem die Interaktion beider Etagen, beispielsweise kann eine behinderte Nasenatmung das Eindringen von Allergenen in die unteren Atemwege begünstigen. Immunologisch dominiert eine IgE-vermittelte Typ-2-Inflammation mit Beteiligung von IL-4, IL-5 und IL-13.1 Eine gestörte epitheliale Barrierefunktion sowie eine dysregulierte Immunantwort fördern eine persistierende Entzündung und Hyperreagibilität. Die kontinuierliche Allergenexposition kann zur Chronifizierung der Entzündung in beiden Atemwegsetagen führen.1,2

Rhinitis aktiv mitdenken

Sowohl die aktuelle GINA-Leitlinie als auch die deutschen Asthma S2k- und S3-Leitlinien betonen die Bedeutung der Identifikation und Behandlung von Komorbiditäten, insbesondere der allergischen Rhinitis.3,7,8

In der Praxis bedeutet dies:

  • Bei unzureichender Asthma-Kontrolle sollte gezielt auch nach allergischen Symptomen gefragt werden.
  • Eine leitliniengerechte Therapie der allergischen Rhinitis ist integraler Bestandteil des Gesamtkonzepts.
  • Bei geeigneter Indikation sollte eine Allergen-Immuntherapie erwogen werden, die zur Normalisierung der immunologischen Prozesse beitragen kann.

Zwei Etagen, ein Behandlungsziel

Unbehandelte oder unzureichend kontrollierte Allergien sind mit schlechter Asthma-Kontrolle und einem erhöhten Exazerbationsrisiko assoziiert.2,3 Ebenso werden Beeinträchtigungen von Schlaf und Lebensqualität sowie eine erhöhte Nutzung von Bedarfsmedikation berichtet.1 Die frühzeitige, konsequente Behandlung der allergischen Rhinitis kann zur Stabilisierung der Asthmasymptomatik beitragen und Exazerbationen reduzieren.2 Darüber hinaus sollte die Inhalationstechnik regelmäßig überprüft werden – nicht nur im Hinblick auf die bronchiale Therapie, sondern auch im Gesamtkontext der Adhärenz.3,7,8 Bei der Beurteilung der Krankheitskontrolle sollte man sich nicht auf eine Etage der Atemwege beschränken.

Digitale Unterstützung für ein bessere Gesundheitskompetenz

  • Trotz leitliniengerechter Pharmakotherapie berichten viele Patienten*innen weiterhin über Einschränkungen im Alltag und im Schlaf.4 Hier spielt die Therapietreue eine zentrale Rolle. Digitale Programme wie TheraKey können Patienten*innen unterstützen, Symptome differenzierter wahrzunehmen, Zusammenhänge zwischen nasalen und bronchialen Beschwerden zu verstehen und Therapieziele besser einzuordnen. Sie können damit die ärztliche Versorgung und Aufklärung sinnvoll ergänzen.

Praxis-Checkliste für Asthma-Patienten*innen

  • Asthma-Symptome tagsüber und nachts, Bedarfsmedikation und Alltagseinschränkungen erfragen - Asthma-Kontrolle bewerten
  • Adhärenz und korrekte Inhalator-Anwendung überprüfen
  • Allergie-Symptome aktiv ansprechen
  • Zusammenhang mit Asthma-Kontrolle evaluieren
  • Therapie optimieren und Indikation zur Allergen-Immuntherapie prüfen

Fazit:

Das United Airways Konzept fordert eine konsequente Mitbetrachtung der oberen Atemwege bei Patienten*innen mit allergischem Asthma. Eine isolierte Fokussierung auf die Bronchien greift pathophysiologisch zu kurz. Die systematische Diagnostik und Therapie der allergischen Rhinitis stellt einen relevanten Baustein zur Verbesserung der Asthma-Kontrolle dar und sollte integraler Bestandteil der leitlinienorientierten Versorgung sein.

Quellen:

  1. Buhl R et al., Pneumologie 2025; a-2739-3886
  2. Lommatzsch M et al., Pneumologie 2023; 77: 461–543
  3. Klain A et al., Acta Biomed Atenei Parm 2021; 92: e2021526
  4. Egan M, Bunyavanich S, Asthma Res Pract 2015; 1: 8
  5. Lindqvist M et al., Allergy 2024; 79: 884–893
  6. European Academy of Allergy and Clinical Immunology, Hrsg., Global Atlas of Asthma. 2. Aufl. eaaci.org: EAACI; 2021
  7. Global Initiative for Asthma, 2025; GINA Report (2025 Update)
  8. BÄK, KBV, AWMF. Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma – Langfassung, Version 5. 2024

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