Bronchiektasen – vom Sekundärphänomen zur eigenständigen Erkrankung

Berlin, 27.08.2025 | Lesezeit: 2 Min.

Seit über 200 Jahren gelten Bronchiektasen als Krankheitsbild, jedoch wurden sie lange Zeit nur als Sekundärphänomen von infektiösen Erkrankungen wie Tuberkulose und schweren Pneumonien oder chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD angesehen. In der modernen Pneumologie werden sie inzwischen als eigenständige chronische Lungenerkrankung mit spezifischer Diagnostik, Therapie und Prognosebewertung anerkannt. Wir fassen das Wichtigste zur Bronchiektasie-Erkrankung zusammen.

Die Bronchiektasie-Erkrankung ist nach COPD und Asthma die dritthäufigste chronisch-entzündliche Atemwegserkrankung,1 deren Prävalenz seit einigen Jahren weltweit stetig steigt.2 Populationsbasierte Studien zeigten zwischen 2009 und 2017 eine kontinuierliche Zunahme der Diagnoseprävalenz um ca. 10 % in Deutschland.2 Grund für den stetigen Anstieg sind vermutlich der demografische Wandel, bessere Diagnosemöglichkeiten sowie eine zunehmende Sensibilisierung der Ärzte*innenschaft.2 Dennoch bleiben sie im klinischen Alltag häufig unterdiagnostiziert oder als Komorbidität unterschätzt.

Was sind Bronchiektasen und Symptome

Bronchiektasen sind dauerhafte, irreversible Erweiterungen/Aussackungen der Bronchien. Sie entstehen durch einen Teufelskreis aus Entzündungen und chronischen Infektionen, durch die die Bronchialwand strukturell und irreversibel geschädigt wird.2 Die Aussackungen und eine gestörte mukoziliäre Clearance, zu der es bei der Bronchiektasie-Erkrankung ebenfalls kommen kann, führen dazu, dass sich Bronchialschleim verstärkt ansammelt. Dies bietet Krankheitserregern einen Nährboden, wodurch ständig wiederkehrende Infekte die Folge sein können.3 Häufig sind die Betroffenen chronisch mit pathogenen Erregern infiziert, bei einem Drittel der Patienten*innen in Deutschland liegt beispielsweise eine Pseudomonas aeruginosa-Infektion vor.2 Die genauen Mechanismen der Erkrankung sind jedoch noch nicht vollends verstanden.

Die Symptomatik der Erkrankung kann individuell sehr unterschiedlich sein und zeigt eine große Überlappung mit anderen chronischen Atemwegserkrankungen. Typisch für die Bronchiektasie-Erkrankung sind jedoch Husten und Auswurf an den meisten Tagen, sowie (rezidivierende) Exazerbationen. Auch Hämoptysen, Belastungsdyspnoe, chronische Fatigue-Symptomatik und wiederkehrende bronchiale Infekte können Leitsymptome sein.2

Wie wird diagnostiziert?

Der Goldstandard zur Diagnosesicherung ist die hochauflösende Computertomografie (HRCT) des Thorax. Typische Befunde sind verdickte und erweiterte Bronchialstrukturen, sogenannte Siegelringzeichen, erweiterte Bronchien in der Nähe des Rippenfells und das Fehlen einer bronchialen Verjüngung.1 Ergänzend werden mikrobiologische Sputumuntersuchungen empfohlen, insbesondere zum Nachweis potenziell pathogener Keime wie beispielsweise Pseudomonas aeruginosa, die einen negativen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung haben können.2

Wie wird therapiert?

Das diagnostische und therapeutische Management von Bronchiektasen erfordert einen interdisziplinären Ansatz, der Pneumologen*innen, Internisten*innen, Radiologen*innen, Mikrobiologen*innen, Ernährungsexperten*innen, Endokrinologen*innen, Physiotherapeuten*innen, Pflegekräften und das Team der hausärztlichen Versorgung einbezieht. Zusätzlich ist eine mehrdimensionale Herangehensweise notwendig, die die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache ebenso umfasst wie die Kontrolle von Infektionen, Entzündungen, Exazerbationen, Komplikationen und fortgeschrittenen Krankheitsstadien. Zudem wird ein konsequenter Impfschutz gegen Influenza, Pneumokokken, SARS-CoV-2 und RSV empfohlen.2

Overlap mit Asthma und COPD

Das Vorliegen von Bronchiektasen schließt eine gleichzeitige Erkrankung an COPD oder Asthma nicht aus – vielmehr bestehen enge Zusammenhänge zwischen diesen chronischen Atemwegserkrankungen. So zeigen Studien, dass bronchiektatische Veränderungen bei bis zu 35–50 % der Patienten*innen mit schwerer COPD und bei etwa 25–40 % der Patienten*innen mit schwerem Asthma auftreten können. In beiden Fällen geht die zusätzliche Bronchiektasie mit einer Verschlechterung des Krankheitsverlaufs und einer erschwerten Kontrolle der Grunderkrankung einher.1

Obwohl bisher keine eindeutigen Belege dafür vorliegen, dass COPD oder Asthma ursächlich Bronchiektasen hervorrufen, deuten die aktuellen Daten darauf hin, dass bronchiektatische Veränderungen Teil des natürlichen Krankheitsverlaufs sein können, insbesondere in fortgeschrittenen Stadien. In der klinischen Praxis spricht man in diesem Zusammenhang von den sogenannten Überlappungssyndromen: dem Bronchiektasen-COPD-Overlap (BCOS) und dem Bronchiektasen-Asthma-Overlap (BAOS). Die therapeutische Strategie sollte beide Krankheitskomponenten gezielt adressieren und sich an den aktuellen evidenzbasierten Leitlinien orientieren.1.4.5

 

Quellen:

  1. Martinez-Garcia, MA. et al., NPJ Prim Care Respir Med. 2022 Sep 8;32(1):33
  2. S2k-Leitlinie Management erwachsender Patientinnen und Patienten mit Bronchiektasen-Erkrankung. Version 1. 2024.
  3. Bronchiektasen – USZ (letzter Zugriff Juli 2025)
  4. BÄK, KBV, AWMF. Nationale VersorgungsLeitlinie COPD – Teilpublikation der Langfassung, 2. Auflage. Version 1. 2021
  5. BÄK, KBV, AWMF. Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma – Langfassung, Version 5. 2024

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