Hitze und Sommergewitter – wenn das Wetter auf die Lunge schlägt

Berlin, 03.08.2022

Endlich die Erleichterung – nach einem heißen Sommertag beginnt das lang ersehnte Gewitter. Allgemeines Aufatmen macht sich breit. Doch was, wenn der Atem auf einmal wegbleibt? 2016 mussten 8.500 Personen nach einem Gewitter in Melbourne in die Notaufnahmen, da sie asthmatische oder allergische Beschwerden hatten – neun Menschen kamen sogar ums Leben.1 Auch hierzulande sind nicht nur Sommergewitter, sondern auch die vorausgegangene Hitze eine Gefahr für Patienten*innen mit Asthma oder COPD.

Jede Jahreszeit bringt ihre eigenen Herausforderungen für Menschen mit Asthma und COPD mit sich. Oftmals wird der Winter als gefährlichste Jahreszeit angesehen. Doch auch der Sommer kann durch Hitze und Sommergewitter eine herausfordernde Zeit für Lungenpatienten*innen sein.

Das Hitze-Problem

Die Sommerwärme ab 25°C kann für viele Lungenpatienten*innen zur Anstrengung werden, da eine erhöhte Körpertemperatur zu einer leicht erhöhten Atemfrequenz führt, damit die warme Luft in großen Mengen ausgeatmet, und die Körpertemperatur reguliert werden kann. Für COPD-Patienten*innen ist dies, aufgrund ihrer eingeschränkten Atemkapazität, kaum möglich, was zu einer dauerhaften Atemnot führen kann. Zusätzlich besteht an heißen Tagen die Gefahr der Dehydration, die durch die zusätzliche Muskelkraft für die erhöhte Atemfrequenz, verstärkt wird. Das führt unter anderem dazu, dass die Lunge weniger durchblutet wird, was wiederum zu verstärkten Entzündungsprozessen in der Bronchialschleimhaut führt.2

Doch nicht nur COPD-Patienten*innen leiden im Sommer: Eine Studie aus den USA zeigte, dass die Hitze auch für Menschen mit Asthma ein Problem darstellt. Während ausgeprägten Hitzeperioden kamen 23% mehr Patienten*innen mit Asthmabeschwerden ins Krankenhaus, als an durchschnittlichen Tagen.3

Wenn Sauerstoffmoleküle zum Problem werden

Während COPD-Patienten*innen im Sommer dauerhafte Atemnot haben können, sehen die Probleme der Asthma-Patienten*innen im Sommer anders aus: sie leiden eher unter anfallartiger Atemnot. Das kommt zum einen daher, dass viel trockener Staub aufgewirbelt wird.2,4 Das andere Problem ist das, aus drei Sauerstoffmolekülen bestehende, äußerst reaktionsfreudige Ozon, welches zur Reizung der Atemwege führt, wodurch Atemnot und Asthmaanfälle gehäuft auftreten können.4 Mit der Temperatur steigt durch die UV-Belastung auch die Ozon-Konzentration und das ist nicht nur für Menschen mit Lungenerkrankungen ein Problem. Ab einem Ozongehalt von 180 µg/m3 (Stunden-Mittelwert) wird die Bevölkerung gewarnt, da es zu Leistungsbeeinträchtigungen empfindlicher Bürger*innen kommen kann. Asthma- und COPD-Patienten*innen bekommen jedoch oft schon früher Probleme.4,5

Und dann, endlich die Abkühlung

Auch die Abkühlung durch ein Sommergewitter kann gefährdeten Menschen schaden – vor allem denen mit allergischem Asthma. Das Problem hierbei sind eingetrocknete Pollen. Diese sind in der warmen Luft oder werden durch Wind und Regen aufgewirbelt. Durch die Feuchtigkeit quellen sie immer stärker auf, bis der osmotische Druck letztendlich so groß wird, dass sie platzen und winzige Allergen-Partikel entstehen. Die entstandenen Allergenwolken breiten sich dann aus und die kleinen Partikel können beim Einatmen bis in die unteren Atemwege eindringen.5 Dieses Phänomen kann besonders in den ersten 20 bis 30 Minuten eines Sommergewitters entstehen, weshalb sich gefährdete Menschen zu dieser Zeit am besten in geschlossenen Räumen aufhalten sollten.1


Quellen:

  1. Starostzik, C. MMW – Fortschritte der Medizin 160, 19 (2018).
  2. Hitzestress infolge Klimaerwärmung erhöht Sterberisiko von Lungenpatienten: www.lungenaerzte-im-netz.de
  3. Soneja et al., Environmental Health, 2016; 15:57
  4. Lungenärzte warnen vor steigenden Ozonwerten: www.lungenaerzte-im-netz.de. 02.06.2022
  5. Ozon-Belastung | Umweltbundesamt

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