Husten – was gibt’s Neues im Leitlinien-Update 2025?
Berlin, 27.08.2025 | Lesezeit: 3 Min.
Husten ist ein häufiges und belastendes Symptom zahlreicher akuter sowie chronischer Atemwegserkrankungen und seine Ursache ist nicht immer leicht zu ermitteln. Die neue S2k-Leitlinie zur fachärztlichen Diagnostik und Therapie bei erwachsenen Patienten*innen mit Husten wurde durch die neue Struktur kompakter und praxisorientierter. Sie liefert nun in Form von 12 Schlüsselfragen mit Hintergrundtexten klare Antworten – die wir kurz und bündig für Sie zusammenfassen.
Die 12 Schlüsselfragen der S2k-Leitlinie Fachärztliche Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten 20251
Schlüsselfrage 1: Klassifizierung des Hustens
Klassifizierung soll nach Dauer (akut/subakut/chronisch) und Vorhandensein von Auswurf (mit/ohne) erfolgen (2025 modifizierte Empfehlung)
- Akut: bis zu 3 Wochen
- Subakut: 3 bis 8 Wochen
- Chronisch: mehr als 8 Wochen bestehend
Schlüsselfrage 2: Akuter und subakuter Husten
- Die Ursachen sind meistens Atemwegsinfekte durch verschiedene Erreger und Allergien.
- Eine Anamnese und körperliche Untersuchung ist ausreichend, sofern keine Red Flags (s. Schlüsselfrage 3) vorliegen.
- In der Regel sollen keine Antibiotika verordnet werden. Freiverkäufliche Sekretolytika und Antitussiva stehen zur Verfügung
Schlüsselfrage 3: Red Flags
- Red Flags wie Hämoptysen, hohes Fieber, Atemnot, Tumorverdacht sollen entsprechend der klinischen Situation (ggf. sofort) abgeklärt werden. (2025 modifizierte Empfehlung)
Schlüsselfrage 4: chronischer Husten
- Pneumologische Erkrankungen, Schluckstörungen, Lungenstauung, Inhalationsschäden, Erkrankungen der oberen Atemwege sowie Reflux können die Ursache sein.
- Es soll eine zeitnahe Diagnostik und nach Diagnose eine leitliniengerechte Therapie der Grunderkrankung erfolgen. (2025 modifizierte Empfehlung)
Schlüsselfrage 5: Husten bei SARS-CoV-2
- SARS-CoV-2 kann sowohl für akuten als auch für chronischen Husten die Ursache sein. (neues Statement)
- Etwa 30 % entwickeln nach einer SARS-CoV-2-Infektion einen chronischen Husten – entweder im Sinne eines chronisch refraktären bzw. idiopathischen Hustens (RCC/UCC) oder als Symptom einer interstitiellen Lungenerkrankung (ILD).
- Es gibt keine zugelassene Therapie für den Post-COVID-Husten. Eine symptomatische Therapie wie bei RCC/UCC kann durchgeführt werden. (neue Empfehlung)
Schlüsselfrage 6: Chronisch refraktärer und chronisch idiopathischer Husten
- Chronisch refraktärer Husten (RCC): chronischer Husten, der trotz Therapie persistiert. (2025 modifiziertes Statement)
- Chronisch idiopathischer Husten (UCC): chronischer Husten ohne erkennbare zugrunde liegende Erkrankung.
- Es handelt sich um eine Hypersensitivität des Hustenreflexes, von der zwei Drittel der Betroffenen Frauen nach der Menopause sind.
- RCC und UCC sollen als eigenständige Erkrankung, nicht als Symptom, diagnostiziert werden.
Schlüsselfrage 9: Husten als Asthmaäquivalent
- Bronchiale Hyperreagibilität und eosinophile Entzündung der Bronchien können ohne klassisches Asthma Husten auslösen.
Schlüsselfrage 10: Husten auslösende Medikamente
- Angiotensin-Converting-Enzyme (ACE)-Hemmer können chronischen Husten verursachen.
- Bei Patienten*innen mit chronischem Husten sollen ACE-Hemmer ausgetauscht und alle verwendeten Medikamente auf Husten als potenzielle Nebenwirkung geprüft werden. (2025 modifizierte Empfehlung)
Schlüsselfrage 11: Chronischer Husten: Basis- und personalisierte Diagnostik
- Basisdiagnostik, die bei allen Patienten*innen erfolgen soll: Röntgen-Thorax und Lungenfunktion
- Personalisierte Erweiterung soll entsprechend bei klinischem Verdacht durchgeführt werden. (neue Empfehlung)
Schlüsselfrage 12: Husten: Therapie
- Atemphysiotherapie sollte für den produktiven Husten und den trockenen Reizhusten durchgeführt werden.
- Logopädie sollte bei laryngealer und pharyngealer Hyperreagibilität durchgeführt werden. (2025 modifizierte Empfehlung)
- Medikamentöse Therapie: Eine leitliniengerechte Therapie entsprechend Grunderkrankung soll durchgeführt werden.
Wann ist eine fachärztliche Abklärung notwendig?
Die neue S2k-Leitlinie betont die Bedeutung einer strukturierten Zusammenarbeit zwischen Haus- und Fachärzten*innen.1 Hausärzte*innen sind meist die erste Anlaufstelle für Patienten*innen mit Husten, weshalb ihre Einschätzung entscheidend für den weiteren Verlauf ist. Während die initiale Anamnese und Basisdiagnostik sowie erste Therapieversuche also durch die hausärztliche Versorgung abgedeckt werden sollten, sollen die Fachärzte*innen übernehmen, wenn durch die vorhandenen Mittel keine Diagnose gestellt werden kann oder spezielle Warnzeichen vorliegen. Das Ziel soll eine frühzeitige, zielgerichtete Diagnostik sein, um behandlungsbedürftige Ursachen nicht zu übersehen und chronische Verläufe zu vermeiden.1
Weiterführende Informationen
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Quellen:
- S2k-Leitlinie Fachärztliche Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten, V4.1, Pneumologie 2025; 79: 329–357
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