Reisen mit COPD, Asthma und Co. im Gepäck

Berlin, 26.06.2024 | Lesezeit: 2 Min.

Die Deutschen gehören zu den Reiseweltmeistern. Die große Mehrheit fährt jährlich in den Urlaub.1 Bei Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen besteht allerdings oft Unsicherheit, inwiefern eine Urlaubsreise möglich ist. Daher suchen viele Rat in der Praxis ihres Vertrauens. Und das ist auch wichtig, denn gerade bei schwererer Erkrankung sollten Reisen immer in Absprache mit dem*der behandelnden Arzt*Ärztin geplant werden. Bei geeigneter Wahl von Reiseziel und Transportmittel steht dann einer Urlaubsreise meist grundsätzlich nichts im Weg.1

Eine sorgfältige und vorausschauende Planung ist das A und O beim Reisen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie COPD, Asthma oder anderen Lungenkrankheiten sowie mit kardiovaskulären Komorbiditäten. Dazu sollte auch ein Beratungsgespräch bei dem*der behandelnden Arzt*Ärztin gehören. Relevante Aspekte sind dabei Risiken in Bezug auf Reiseziele und Transportmittel zu evaluieren, eine ausreichende Versorgung mit einzunehmenden Medikamenten für den Reisezeitraum sicherzustellen und bei Reisen ins Ausland deren Notwendigkeit zu attestieren, Notfallaktionspläne zu besprechen sowie wichtige medizinische Dokumente für die Reise vorzubereiten.1 Ist die Erkrankung jedoch instabil, sollte die Notwendigkeit der Reise zum gegenwärtigen Zeitpunkt genau geprüft werden.1

Das richtige Reiseziel auswählen

Nicht jedes Reiseziel ist für Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen geeignet. Besonders das Klima am Zielort spielt eine entscheidende Rolle, aber auch die Entfernung, die örtliche (medizinische) Infrastruktur und das Risiko für Atemwegsinfektionen sollten Beachtung finden. Grundsätzlich sollten bei COPD und Asthma Reiseziele mit extrem hohen oder niedrigen Temperaturen vermieden werden.1 Hitze stellt beispielsweise eine Gefahr bei Städtereisen dar, da sie sich dort aufgrund der engen Bebauung staut und zusammen mit Smog eine starke Belastung für Lunge und Kreislauf darstellen kann.2 Eine sehr gute Luftqualität findet man dagegen im Hochgebirge ab 1.500 Metern. Davon profitieren auch insbesondere Allergiepatienten*innen aufgrund geringer Pollenbelastung und ungünstiger Lebensbedingungen für Hausstaubmilben.3 Allerdings sind höhere Lagen bei eingeschränkter Lungenfunktion aufgrund des sinkenden Sauerstoffpartialdrucks der Luft weniger empfehlenswert. Besonders günstiges Klima ist am Meer zu finden. Die Temperaturen sind meist gemäßigter und die salzhaltige Luft hat eine schleimlösende Wirkung.3

Besondere Vorsicht geboten: Flugreisen

Nicht nur die Bedingungen am Zielort, auch die An- und Abreise sollte bei der Reiseplanung von Lungenpatienten*innen bedacht werden. Ein besonderes Risiko geht von Flugreisen aus. Auf der durchschnittlichen Flughöhe von etwa 10 km herrscht ein deutlich geringerer Luftdruck. Durch den Kabineninnendruck im Flugzeug wird eine Sauerstoffkonzentration erreicht, die etwa einer Höhe von 2.500 m ü. NN. entspricht.4 Der daraus resultierende reduzierte arterielle Sauerstoffdruck kann bei Gesunden problemlos durch erhöhte Herz- und Atemfrequenz ausgeglichen werden. Menschen mit pulmonalen und kardiovaskulären Vorerkrankungen unterliegen daher jedoch einem erhöhten Risiko für Komplikationen während eines Flugs. Besonders gefährlich sind auch Lufteinschlüsse in der Lunge, da sich die Luft bei dem geringeren Umgebungsdruck stark um bis zu 38 %, ausdehnt.4 Daher wird von Airlines bei chronischen Erkrankungen in der Regel ein aktuelles Attest der Reisefähigkeit verlangt. Sollte eine Sauerstoffversorgung notwendig sein, ist es meist nach Anmeldung möglich, ein eigenes mobiles Sauerstoffgerät mit an Bord zu nehmen oder auszuleihen.4 Ähnliche Regularien gelten oft auch für Kreuzfahrten.

Reisefähigkeit ermitteln

Zur Ermittlung der Flugreisefähigkeit von Patienten*innen mit Atemwegserkrankungen hat die British Thoracic Society eine Reihe von Empfehlungen veröffentlicht.5 Gegen eine Reisefähigkeit sprechen selbstverständlich vorliegende, gegebenenfalls ansteckende Infektionen. Auch nach Exazerbationen, Pneumothorax oder kürzlichen Operationen sollte eine Reise besser aufgeschoben werden, bis ein stabiler Allgemeinzustand erreicht ist.4,5 Sprechen keine anderen Indikationen oder vorangegangenen Ereignisse bei Flügen dagegen, ist eine, zumindest eingeschränkte, Reisefähigkeit wahrscheinlich. Unter bestimmten Bedingungen kann allerdings eine Sauerstoffgabe notwendig werden: Liegt bereits auf Meereshöhe eine eingeschränkte Lungenfunktion oder erniedrigter Sauerstoffpartialdruck (SpO2) von unter 95 % in Ruhe bzw. unter 84 % bei Belastung vor, wird eine Sauerstoffgabe während des Flugs empfohlen.4 Ist der*die Patient*in bereits sauerstoffpflichtig oder sind die Untersuchungen nicht ausreichend eindeutig, wird zu einem Hypoxie-Test geraten.5 Durch eine Reduktion der Sauerstoffkonzentration in der Atemluft werden die Bedingungen bei einem Flug simuliert und das Risiko für eine bedrohliche Hypoxämie kann abgeschätzt werden. Dennoch kann das Auftreten von respiratorischen Symptomen während der Reise nicht gänzlich ausgeschlossen werden, insbesondere auf Langstreckenflügen.4 Daher sollten Patienten*innen ihre Notfallmedikamente immer griffbereit im Handgepäck halten.

Weiterführende Informationen

Insbesondere unter einer Langzeitsauerstofftherapie kann Reisen herausfordernd sein. Eine ausführliche Broschüre mit den wichtigsten Informationen zum Reisen finden Ihre Patienten*innen hier.

Der TheraKey bietet ebenfalls Informationen zum Thema Reisen mit COPD. Sprechen Sie Ihre*n Außendienstmitarbeiter*in bei dem nächsten Besuch an oder vereinbaren Sie hier einen Termin.

Quellen:

  1. Gillissen A. und Paparoupa M., Atemwegs- und Lungenkrankheiten, Jahrgang 43, Nr. 8/2017, S. 382–389
  2. Witt C. und Liebers U., Pneumonews, 2023; 15(2): 38–44
  3. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Das-sollten-Lungenkranke-auf-Reisen-beachten-293495.html(Zuletzt abgerufen 12.04.2024)
  4. Coker RK. et al. Thorax 2022; 77: 329–350
  5. Nicholson T. und Sznajder J., Ann Am Thorac Soc 2014; 11(10): 1614–1622

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