OSA und COPD-Overlap – Eine ungünstige Schnittmenge

Berlin, 26.06.2024 | Lesezeit: 2 Min.

Zu den häufigsten chronischen Atemwegserkrankungen zählen die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und die obstruktive Schlafapnoe (OSA). Die COPD hat weltweit eine geschätzte Prävalenz von 6,8 % bis 11,7 %1, während etwa eine Milliarde Menschen weltweit von einer milden bis moderaten OSA betroffen sind.2 Der Phänotyp der Patienten*innen ähnelt sich und die Folgeerkrankungen folgen dem gleichen Muster. Treten beide Erkrankungen gemeinsam auf, verschlechtert sich die Prognose.3

Der progressive Krankheitsverlauf der COPD zieht eine fortschreitende Einschränkung der Lungenfunktion mit sich.1 Aufgrund der chronischen systemischen Entzündung geht die COPD mit Herz-Kreislauf-, Skelett- und Ernährungsstörungen, Haltungsschäden, erhöhtem Sturzrisiko und Schlafstörungen einher.1 Schlafstörungen äußern sich durch eine verlängerte Einschlafphase, eine verkürzte Gesamtschlafdauer und häufigere Wachphasen.4 Diese Störungen können zu vermehrter Tagesschläfrigkeit, häufigen Exazerbationen und einer erhöhten Sterblichkeitsrate führen.1

Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist durch eine vollständige Unterbrechung (Apnoe) oder eine signifikante Verringerung (Hypopnoe) des Luftstroms während des Schlafs gekennzeichnet, verursacht durch wiederkehrende Kollapse der oberen Atemwege.3 Diese führen zu einer niedrigen Sauerstoffsättigung in der Nacht und in Folge schrecken Betroffene aus der Ruhe auf.3 Die wiederholten Wachmomente, sogenannte Arousals, bei OSA-Patienten*innen haben neurokognitive Auswirkungen wie Tagesmüdigkeit bzw. Tagesschläfrigkeit und ferner eine verminderte Lebensqualität zur Folge. Zudem erhöht sich das Demenzrisiko.3,5 Aufgrund von Apnoen und Hypopnoen leiden die Betroffenen unter Hypoxämie und Hyperkapnie, was zu einem Anstieg der Katecholaminwerte, oxidativem Stress und chronischen Entzündungen führen kann, die wiederum kardiometabolische Folgen haben.3

OSA-COPD-Overlap

OSA und COPD zählen zu den häufigsten Atemwegserkrankungen in der medizinischen Praxis. Wenn beide Erkrankungen bei einem*r Patienten*in gleichzeitig auftreten, spricht man von einem Overlap-Syndrom. In einer Studie wurde die Prävalenz der beiden Erkrankungen bei weit über 40 Millionen Erwachsenen ab 40 Jahren anhand vertragsärztlichen Abrechnungsdaten von 2017–2020 in Deutschland ermittelt.6 Im Mittel wurde OSA bei 3 % und COPD bei 6,4 % der Studienpopulation festgestellt.6 Die Ergebnisse zeigten, dass bei rund 20 % der OSA-Patienten*innen und bei 10 % der COPD-Patienten*innen ein Overlap-Syndrom vorlag.6

Gleich und Gleich gesellt sich gern

Sowohl OSA als auch COPD haben gemeinsame Risikofaktoren, wie z. B. ein höheres Alter, männliches Geschlecht, Fettleibigkeit, Tabakrauchen und Bewegungsmangel und somit einen ähnlichen Phänotyp der betroffenen Patienten*innen.1 Pathophysiologisch weisen Patienten*innen mit OSA oder COPD während des Schlafs je nach Schweregrad der Erkrankung unterschiedliche Grade von Hypoxämie und/oder Hyperkapnie auf.1 Diese treten häufig verstärkt auf, wenn beide Erkrankungen bei einem*r Patienten*in koexistieren.1 Im Einzelnen führt das Overlap-Syndrom zu einer stärkeren Hypoxämie während des Schlafs und ist häufiger mit Hypoxämie und Hyperkapnie während des Tages verbunden als COPD oder OSA allein.Diese pathophysiologischen Phänomene und ihre gemeinsamen Risikofaktoren könnten die höhere Inzidenz von Komorbiditäten bei Overlap-Syndrom-Patienten*innen erklären.1

Die Bedeutung von Begleiterkrankungen beim Overlap-Syndrom

Studiendaten weisen darauf hin, dass die Belastung durch Begleiterkrankungen bei Overlap-Syndrom-Patienten*innen höher ist als bei Personen, die nur an OSA oder COPD leiden.3 Das gleichzeitige Vorhandensein von mehreren Krankheiten (mindestens vier) wurde bei Overlap-Syndrom-Patienten*innen häufiger festgestellt als bei reinen OSA-Patienten*innen (29 % vs. 10,5 %), insbesondere im Bereich kardiovaskulärer Erkrankungen (CVD).3 Abgesehen von CVD waren die häufigsten Begleiterkrankungen bei Overlap-Syndrom- und reinen OSA-Patienten*innen Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Dyslipidämie und Depression.3 Zudem zeigen Overlap-Patienten*innen ein erhöhtes Risiko gleichzeitig an pulmonalen Thromboembolien, Hyperkapnie und/oder respiratorischem Versagen zu erleiden im Vergleich zu reinen COPD- oder OSA-Patienten*innen.3 Eine retrospektive Studie demonstrierte, dass Patienten*innen mit Overlap-Syndrom häufiger von pulmonaler Hypertonie und Herzfehlern betroffen sind und eine höhere Gesamtmortalität aufweisen als jene mit COPD oder OSA allein (alle p < 0,05).1

Konsequentes Screening

Der genaue pathophysiologische Zusammenhang zwischen OSA und COPD ist bisher nicht eindeutig geklärt.6 Dennoch kommt das Overlap-Syndrom relativ häufig vor.6 Eine konsequente Anamneseerhebung und schnelle Diagnose von OSA bei COPD-Patienten*innen und vice versa durch weiterführende Untersuchungen ist daher zu empfehlen, da eine entsprechende Therapie die Prognose positiv beeinflussen kann.

Weiterführende Informationen

Verdacht auf OSA? In der Teilaktualisierung S3-Leitlinie Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen werden die möglichen Diagnose-Schritte erläutert.

Quellen:

  1. Voulgaris A. et al., Medicina 2023; 59: 1759
  2. Benjafield AV. et al., Lancet Respir Med. 2019 August; 7(8): 687–698
  3. Czerwaty K. et al., Biomedicines 2023; 11(1), 16; https://doi.org/10.3390/biomedicines11010016
  4. de Censo CM. et al., ERJ Open Res 2024; 10: 00948-2023
  5. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/137152/Schlafapnoe-koennte-Risiko-auf-Krebs-Demenz-und-Venenthrombosen-erhoehen (Letzter Aufruf 29.04.2024)
  6. Khalaf M. et al., Somnologie 2023; 27: 280–289

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