Mit der „App auf Rezept“ rauchfrei werden

Berlin, 23.06.2022

Viele Ihrer Patienten*innen haben es vermutlich schon ein paar Mal versucht, aber die anfängliche Motivation hat nachgelassen, die Versuchung war doch zu groß – die nächste Zigarette war wieder angezündet. Für einen erfolgreichen Rauchstopp benötigt es einen langen Atem und viel Motivation. Natürlich können Sie Ihre Patienten*innen nicht täglich motivieren und unterstützen. Aber Sie können ihnen digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) verschreiben, die genau diesen Job übernehmen.

Tabakrauchen ist der Risikofaktor für COPD schlechthin. Rund 80 – 90 % der Raucher*innen entwickeln eine COPD.1 Nikotin hat ein hohes Abhängigkeitspotential, weshalb der Rauchstopp oft erst nach mehreren Versuchen gelingt, dabei ist dieser ein entscheidender Schritt, um eine relevante Verbesserung der COPD zu erreichen.2,3 Die Erfolgsquote kann jedoch durch evidenzbasierte, für den*die Patient*in kostenfreie, Therapieangebote erhöht werden.3 Allerdings nutzen zu wenig Raucher*innen die verschiedenen Hilfsmittel.2 Umso wichtiger ist es, dass Sie Ihre Patienten*innen auf die Programme und Apps hinweisen, denn weniger als vier Prozent der Raucher*innen erhalten beim Arztbesuch Unterstützung beim Rauchstopp.3

Digitale Unterstützung

Inzwischen gibt es zahlreiche Tabakentwöhnungsprogramme. Von Selbstcoaching-Büchern, Websites oder Apps, die Raucher*innen beim Rauchstopp motivieren und unterstützen, ist alles vorhanden. Die „NichtraucherHelden“-App ist nun vorläufig in das DiGA-Verzeichnis aufgenommen worden und könnte für Ihre Patienten*innen der Schlüssel zum Erfolg sein. Bei der Anwendung handelt es sich um ein CE-konformes Medizinprodukt, das Sie Patienten*innen mit einer diagnostizierten Tabakabhängigkeit verschreiben können. Die Nutzer*innen können die App dann auf ihr Smartphone laden und die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die App wurde, nach Angaben des Herstellers, in Zusammenarbeit mit Experten*innen entwickelt und bietet ein individuell angepasstes, kognitiv-verhaltenstherapeutisches Nichtrauchercoaching. Laut Hersteller liefert sie eine Behandlung der Tabakabhängigkeit, die auf den aktuellen Leitlinien basiert.4

Ihre Patienten*innen erwartet zunächst eine Vorbereitungsphase, in der sie sich ihre Motivation vor Augen führen, sodass sie auf den Tag des Rauchstopps vorbereitet sind. Nach der Begleitung in den Start des rauchfreien Lebens folgt eine dreimonatige Phase, in der die neuen Nichtraucher*innen durch tägliches Coaching und individuell abgestimmte Inhalte in der Stabilisierungsphase begleitet werden. Während dieser Zeit stehen den Teilnehmer*innen erfahrene Lungenfachärtze*innen, die über die Community jederzeit kontaktiert werden können, zur Seite.4

Rauchfrei werden, aber nicht als Held?

Neben der „NichtraucherHelden“-App gibt es noch weitere Rauchfrei-Apps, die zwar nicht im DiGA-Verzeichnis aufgenommen sind, aber von Krankenkassen bezuschusst oder die Kosten vollständig übernommen werden. Einige Krankenkassen haben sogar eigene Apps entwickelt oder bieten Nichtraucher-Coachings an. Ob die Wunsch-App Ihrer*Ihres Patienten*in von der Krankenkasse übernommen wird, kann auf der entsprechenden Homepage in Erfahrung gebracht werden. Darüber hinaus gibt es auch kostenfreie Apps, die Sie Ihren Patienten*innen empfehlen können.

Noch rauchende COPD-Patienten*innen lassen sich vielleicht über die Informationsseite „Nichtraucher werden“ von TheraKey® überzeugen. Hier können sie zum Beispiel den Fagerströmtest machen, um Ihre Tabakabhängigkeit einschätzen zu können, sich Rund um das Thema Tabakentzug informieren und Erfahrungsberichte von Leidensgenossen*innen lesen.

Good to know – die „App auf Rezept“ verordnen

Seit Herbst 2020 können Sie gesetzlich versicherten „Apps auf Rezept“ verordnen. Die DiGA sind extrabudgetär. Erstattet werden die Kosten für digitale Anwendungen, die vom BfArM geprüft wurden und im DiGA-Verzeichnis gelistet sind.6 Die Verordnung erfolgt über das Arzneimittelrezept (Muster 16) und unter Angabe der zugeordneten Pharmazentralnummer (PZN).5 Letztere finden Sie in der „Informationen für Fachkreise“ im DiGA-Verzeichnis. Ist das Rezept ausgestellt, reicht der*die Patient*in diese bei der Krankenkasse ein und erhält einen Freischaltcode. Dieser wird in der App angegeben. Nun sollte die Anwendung nutzbar sein.

Weiterführende Informationen

Erfahren Sie mehr über die „NichtraucherHelden“-App oder empfehlen Sie Ihren Patienten*innen ein anderes Programm, das Sie überzeugt.
Weitere Informationen über die Verordnung der App auf Rezept, welche digitalen Gesundheitsanwendungen Sie verordnen können und Hinweise zur Vergütung finden Sie hier.
Der TheraKey® stellt Informationen über verschiedene Indikationen wie COPD oder Asthma für Sie und Ihre Patienten*innen zur Verfügung.
Tabakfreies Deutschland 2040 – lesen Sie hier mehr zur Strategie des Deutschen Krebsforschungszentrums (dkfz).


Quellen:

  1. www.lungenaerzte-im-netz.de, 30.05.2022
  2. Deutsches Krebsforschungszentrum. Strategie für ein tabakfreies Deutschland 2040, 30.05.2022
  3. BÄK, KBV, AWMF. Nationale VersorgungsLeitlinie COPD – Teilpublikation der Langfassung, 2. Auflage. Version 1. 2021, S.30. www.leitlinien.de/copd
  4. www.NichtraucherHelden.de
  5. Kassenärztliche Bundesvereinigung. www.kbv.de, 17.05.2022

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