Was kann die Apotheke in der Versorgung von Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen leisten?

Berlin, 30.07.2025 | Lesezeit: 2 Min.

Hausärztliche Praxen sind zentrale Anlaufstellen in der Versorgung chronisch kranker Menschen – insbesondere bei komplexen Erkrankungen wie Asthma und COPD. Doch gleichzeitig steigt die Arbeitsbelastung durch hohe Patientenzahlen und bürokratische Anforderungen. Nicht alle Patienten*innen können und möchten regelmäßige ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen. Eine strukturierte Zusammenarbeit mit wohnortnahen Apotheken könnte hier gezielt entlasten. Grundlage dafür sind u. a. pharmazeutische Dienstleistungen (pDL), die über die gesetzliche Krankenkasse abgerechnet werden können.1

Apotheken möchten ihre Rolle in der Gesundheitsversorgung ausbauen.2 In einem aktuellen Positionspapier fordern Sie mehr Eigenständigkeit und Kompetenzen, wie die Abgabe von rezeptpflichtigen N1-Packungen im Notfall oder als Wiederholungsrezept bei chronisch Erkrankten ohne eine ärztliche Verordnung.2 Zudem wollen sie ihren niederschwelligen Zugang für Prävention nutzen und mehr Leistungen anbieten wie Screenings, weitere Impfungen oder Rauchentwöhnungsberatung.2 Auf Grundlage des „Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetzes (VOASG, 2020)“ können aber schon jetzt gesetzlich Versicherte pharmazeutische Dienstleistungen als Kassenleistung in Anspruch nehmen.1

Neben Blutdruckmessung bei Menschen mit Hypertonie und pharmazeutischer Betreuung nach Organtransplantation bzw. bei einer oralen Krebstherapie können Patienten*innen in der Apotheke schon jetzt ihren Medikamentenplan überprüfen lassen, aber auch an einer erweiterten Inhalatorschulung teilnehmen.1

Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation

Menschen mit chronischen Erkrankungen haben oft eine lange Medikamentenliste – teilweise unabhängig von unterschiedlichen Fachärzten*innen verordnet oder als Selbstmedikation zusätzlich eingenommen. Da fällt der Überblick manchmal schwer. Versicherte, die dauerhaft mindestens fünf systemisch wirkende, ärztlich verordnete Arzneimittel einnehmen, haben Anspruch auf eine umfassende Medikationsanalyse in der Apotheke.3 Diese kann einmal jährlich erfolgen oder bei bestimmten Anlässen wie z. B. nach einem Klinikaufenthalt.3

Inhalte der Überprüfung:3

  • Vollständige Erhebung der Medikation inkl. rezeptfreier Präparate
  • Überprüfung auf Risiken:
    • Wechselwirkungen
    • (Pseudo-) Doppelmedikation
    • Nebenwirkungen
    • Lagerung
    • Einnahmeprobleme z. B. durch ungeeignete Darreichungsform
    • Ungeeignete Selbstmedikation für das Krankheitsbild
  • Individuelle Empfehlungen zur Einnahmeorganisation
  • Persönliches Abschlussgespräch
  • Optional: schriftliche Rückmeldung an die Arztpraxis (wenn Schweigepflicht durch den*die Patienten*in aufgehoben wird)

Erweiterte Einweisung in die Inhalationstechnik

Patienten*innen mit Asthma oder COPD, die inhalative Arzneimittel als Dauertherapie anwenden, können zudem einmal jährlich eine standardisierte Schulung in der Apotheke erhalten.4 Erstattet wird diese aber nur für Patienten*innen, die nicht in einem Disease-Management-Programm (DMP) (Asthma oder COPD) eingeschrieben sind oder eine vergleichbare Schulung in den letzten zwölf Monaten erhalten haben.4 Die Anwendung des Inhalators wird mit einem Placebo-Gerät geübt und bei Bedarf korrigiert.4

Inhalte der Einweisung:

  • Überprüfung der Auswahl des Inhalationssystems
  • Kontrolle der Gerätevoraussetzungen (z.B. Schütteln, Kapsel einsetzen)
  • Bewertung der Atemtechnik (z.B. Atemzug, Atemanhaltezeit)
  • Schulung zu Reinigung und Lagerung
  • Dokumentation und auf Wunsch Mitteilung an die Arztpraxis

Impfberatung und Durchführung von Impfungen

Apotheken dürfen unter bestimmten Voraussetzungen Impfungen durchführen, bislang gegen Influenza und COVID-19.5 Die Impfung erfolgt ausschließlich durch entsprechend geschulte Apotheker*innen.5 Die Apotheke muss über geeignete Räumlichkeiten und eine Notfallausstattung verfügen und es besteht eine Meldepflicht.5 Zusätzlich zur Durchführung von Impfungen bieten Apotheken eine qualifizierte Beratung zu empfohlenen Schutzimpfungen an – insbesondere für Menschen mit chronischen Vorerkrankungen (z. B. COPD, Asthma, Diabetes), ältere Menschen ab 60 Jahren, beruflich exponierte Personen oder Patienten*innen mit Immunschwäche bzw. besonderen Lebensumständen.6

Verantwortungsvolle Zusammenarbeit für eine bessere Versorgung

Mit niedrigschwelligen, gut erreichbaren Angeboten stellen Apotheken eine sinnvolle Ergänzung zur hausärztlichen Versorgung dar. Hiervon können Patienten*innen mit chronischen Atemwegserkrankungen, aber auch hausärztliche Praxen profitieren. Apotheken könnten mit flexibleren Zeitplänen und längeren Öffnungszeiten eine hilfreiche Verlängerung der hausärztlichen Behandlung bieten. Voraussetzung für ein gelungenes Modell ist eine enge Abstimmung mit der behandelnden Praxis. So ließe sich eine verantwortungsvolle Zusammenarbeit gestalten, die nicht nur Versorgungslücken schließen, sondern auch zur Entlastung des hausärztlichen Teams beitragen könnte.

 

Weiterführende Informationen

Der Urlaub steht vor der Tür? Vor Reiseantritt sollten u. a. alle Medikamente geprüft und ausreichend vorhanden sein – auch für den Notfall. Eine Checkliste für die Reiseapotheke, die Sie Ihren Patienten*innen weitergeben können, finden Sie hier. Empfehlen Sie Ihren Patienten*innen je nach Reiseziel zudem eine individuelle Impfberatung.

 

Sommerliche Temperaturen belasten und können sich auch auf Medikamente auswirken. Eine Checkliste bei welchen Medikamenten Ihre Patienten*innen auf die Temperatur achten sollten, finden Sie hier.

Quellen:

  1. Pharmazeutische Dienstleistungen | ABDA (abgerufen am 12.06.2025)
  2. Apotheke der Zukunft: Angebote und Forderungen | PZ - Pharmazeutische Zeitung (abgerufen am 12.06.2025)
  3. Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation | ABDA (abgerufen am 12.06.2025)
  4. Erweiterte Einweisung in die korrekte Arzneimittelanwendung mit Üben der Inhalationstechnik | ABDA (abgerufen am 12.06.2025)
  5. Schutzimpfungen in Apotheken | ABDA (abgerufen am 12.06.2025)
  6. Impfempfehlung - DeutschesApothekenPortal (abgerufen am 12.06.2025)

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