Fehler bei der Inhalationstechnik: vorbeugen, erkennen und verbessern

Berlin, 31.01.2024 | Lesezeit: 3 Min.

Eine fehlerhafte Inhalationstechnik beeinflusst den Erfolg einer inhalativen Therapie bei Atemwegserkrankungen, wie Asthma und COPD, maßgeblich. Die unzureichende Bedienung des Inhalators bzw. Fehler bei der Technik können in unterschiedlichen Ursachen zu finden sein. Zum einen kann bereits die Wahl eines geeigneten Inhalators und die Inhalator-Schulung, die den Patienten*innen zugutekommt, entscheidend sein. Doch auch wenn diese Punkte bestmöglich erfolgt sind, können sich im Laufe der Zeit Verschlechterungen bei der Anwendung einschleichen, die erkannt und korrigiert werden müssen.1

Auch heutzutage stellt die korrekte Inhalationstechnik noch ein bedeutendes Hindernis bei der Behandlung von Menschen mit Asthma oder COPD dar, obwohl dieses Problem längst weltweit anerkannt ist.Die Auswirkungen der fehlerhaften Inhalation betreffen natürlich in erster Linie die Betroffenen: Wirkstoffe erreichen die Zielorte in der Lunge nicht und somit bleibt der Therapieerfolg aus oder erreicht nicht den erhofften Umfang.Die Folgen können darüber hinaus von dem*der Einzelnen auf das „große Ganze“ übertragen werden, denn es entstehen auch wirtschaftliche Folgen für das Gesundheitssystem, u. a. da Patienten*innen beispielsweise aufgrund einer schlechten Krankheitskontrolle mit Exazerbationen hospitalisiert werden müssen.1

Die Auswahl des Inhalators

Die Nationale VersorgungsLeitlinien (NVL) für COPD und Asthma definieren, dass bei der Auswahl des Inhalationssystems neben dem inspiratorischen Fluss auch die kognitiven, visuellen und motorischen Fähigkeiten der Patienten*innen berücksichtigt werden müssen – zusätzlich soll auch deren Präferenz eine wichtige Rolle spielen.2,3 Was können Sie also bei der Verschreibung eines Inhalators hinsichtlich dieser Punkte beachten?

  • Kognitive Fähigkeit: Die Bedienung des Inhalators per se, denn der Umgang mit Inhalatoren wird nicht nur unterschiedlich einfach von Patienten*innen wahrgenommen, sondern auch die Fehlerquote fällt unterschiedlich hoch aus.4
  • Visuelle Fähigkeiten: Von Patienten*innen, die unter gemindertem visuellem Vermögen leiden, können z. B. Inhalatoren, die das Einlegen eines Blisterstreifens erfordern, fehlerhaft oder nur mit großem Aufwand bedient werden.
  • Motorische Fähigkeiten: Wie viel Kraft muss in den Fingern aufgebracht werden, damit Betroffene den Inhalator auslösen können? Diese Fingerkraft – gemessen in Newton (N) – variiert zwischen verschiedenen Geräten. Während Inhalatoren, die nur eine Kraft von 10 N brauchen, auch für geriatrischen Patienten*innen praktikabel sind, kann eine aufzubringende Kraft von 37 N eine größere Herausforderung darstellen.5

 

In den letzten Jahren hat ein weiterer Aspekt an Relevanz gewonnen: die klimafreundliche Verordnung von inhalativen Arzneimitteln. Denn zwischen Dosieraerosolen und Trockenpulverinhalatoren gibt es deutliche Unterschiede in Bezug auf den CO2-Fußabdruck.Laut der aktuellen DEGAM S1-Handlungsempfehlung können durch den Wechsel von einem Dosieraerosol auf einen Trockenpulverinhalator über 450 kg CO2 pro Jahr eingespart werden – wodurch eine höhere Ersparnis als durch die Umstellung auf vegetarische Kost (unter 450 kg CO2) erzielt werden kann.Die Handlungsempfehlung rät daher, Pulverinhalatoren bevorzugt zu verordnen, sofern diese für die Patienten*innen infrage kommen.6

Mehr ist nicht mehr

Neben der Auswahl des Inhalators, scheint auch die Anzahl an unterschiedlichen Gerätetypen für die korrekte Inhalationstechnik bedeutend zu sein. Eine Studie zeigte, dass von 32 Asthma- und COPD-Patienten*innen, die einen Trockenpulverinhalator und ein Dosieraerosol benutzten 21 Patienten*innen mindestens ein Gerät falsch verwendeten. Auch 90 Tage nach einer Schulung verwendete noch eine hohe Anzahl beide Geräte falsch (13 von 32).Die Minimierung an unterschiedlich anzuwendenden Inhalationstechniken kann direkten Einfluss auf die Anzahl jährlicher COPD-Exazerbationen haben, wie eine weitere Studie zeigte.COPD-Patienten*innen in der Kohorte mit ähnlichen Geräten hatten eine niedrigere Rate an Exazerbationen als in der Kohorte mit gemischten Geräten.Der neue GOLD-Report 2024 empfiehl, dass nur ein Gerät für die inhalative Therapie verordnet werden sollte – sofern dies möglich ist.9 

Einmal gut, immer gut. Oder doch nicht?

Bei der Verordnung eines neues Inhalators ist es von großer Bedeutung, dass Patienten*innen in der Verwendung geschult werden, denn auch wenn die Art und Häufigkeit von Inhalationsfehlern zwischen Inhalatoren variieren, entfällt bei keinem Inhalator die Notwendigkeit, die Inhalationstechnik zu erklären, zu demonstrieren und regelmäßig zu überprüfen.Dies beginnt bereits bei Ihnen in der Praxis, da die Anwendung hier zum ersten Mal erklärt wird. Um schon zu diesem Zeitpunkt eine optimale Versorgung gewährleisten zu können, empfiehlt der GOLD-Report 2024 nur Inhalatoren zu verschreiben, die Sie und Ihr Praxisteam ebenfalls korrekt anwendenden können.Im nächsten Schritt sollte den Patienten*innen eine Inhalatorschulung zugutekommen. Allerdings schleichen sich bei vielen Patienten*innen mit der Zeit wieder Fehler bei der Anwendung ein – und das schneller als gedacht.Bereits zwei bis drei Monate nach einer Schulung kann ein Verfall der Inhalationstechnik beobachtet werden.Hierbei können verschiedene Faktoren wie die Werte, Motivationen, Lernstile und Gesundheitskompetenz der einzelnen Patienten*innen eine Rolle spielen.Insbesondere bei Patienten*innen mit unzureichender Symptomkontrolle sollte daher die Inhalationstechnik überprüft werden.2 Darüber hinaus kann es von Vorteil sein, die richtige Inhalationstechnik bei jeder Gelegenheit – wie z. B. beim ersten Besuch im neuen Jahr – zu überprüfen, um mögliche Anwendungsfehler effizient und dauerhaft korrigieren zu können.

Weiterführende Informationen

Um Sie bei diesem Thema unterstützen zu können, bietet die BERLIN-CHEMIE AG Inhalatorschulungen für Pneumologen*innen, pneumologisch tätige Allgemeinmediziner*innen sowie medizinische Fachangestellte an. Im Rahmen dieser Schulungen werden die verschiedenen am Markt verfügbaren COPD- und Asthma-Inhalatoren vorgestellt. Mehr Informationen finden Sie hier, oder Fragen Sie direkt Ihre*n Mitarbeiter*in im Außendienst.

Die Deutsche Atemwegsliga e.V. stellt Informationen und Tipps für die Auswahl des Inhalators zur Verfügung. Auch Videos, über die korrekte Anwendung von unterschiedlichen Inhalatoren können hier eingesehen werden. Diese können für Ihre Patienten*innen eine praktische und effiziente Stütze sein. 

Diese Videos und noch zahlreiche weitere Informationen über die inhalative Therapie oder grundlegende Informationen zu verschiedenen Krankheitsbildern sind zudem im TheraKey für Ihre Patienten*innen aufgearbeitet.

 

Quellen:

  1. Bosnic-Anticevich S. et al., J Allergy Clin Immunol Pract 2023; 11: 2355–64
  2. BAK, KBV, AWMF. Nationale VersorgungsLeitlinie COPD – Teilpublikation der Langfassung, 2. Aufl. Version 1 2021.
  3. BÄK, KBV, AWMF. Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma – Langfassung, 4. Auflage. Version 1. 2020
  4. 4. van der Palen J. et al. NPJ Prim Care Respir Med 2016;26: 16079
  5. Ciciliani AM. et al. Int J Pharm 2019;5;560: 315–321. Pilotstudie mit 62 Patienten (5-17 Jahre [n = 20], 18-64 Jahre [n = 22] und ≥ 65 Jahre [n = 20]), deskriptive Analyse mit wirkstoff-freien Inhalatoren.
  6. DEGAM, S1-Handlungsempfehlung: Klimabewusste Verordnung von inhalativen Arzneimitteln. AWMF-Register-Nr. 053-059. 2022; degam.de
  7. Press VG. et al., Ann Am Thorac Soc 2016;13:816–24
  8. Bosnic-Anticevich S, et al., Int J Chron Obstruct Pulmon Dis 2017;12:59–71
  9. Global Strategy for the Diagnosis, Management, and Prevention of Chronic Obstructive Pulmonary Disease, GOLD-Report 2024, Version 1.0

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