Husten – was gibt’s Neues im Leitlinien-Update 2025?

Berlin, 30.07.2025 | Lesezeit: 3 Min.

Husten ist ein häufiges und belastendes Symptom zahlreicher akuter sowie chronischer Atemwegserkrankungen und seine Ursache ist nicht immer leicht zu ermitteln. Die neue S2k-Leitlinie zur fachärztlichen Diagnostik und Therapie bei erwachsenen Patienten*innen mit Husten liefert in Form von 12 praxisrelevanten Schlüsselfragen klare Antworten. Wann reicht die hausärztliche Abklärung aus? Und wann ist eine Überweisung an Pneumologen*innen oder andere Fachgruppen sinnvoll?

Die fachärztliche Husten-Leitlinie wurde grundlegend strukturell überarbeitet.1 Die Leitlinie stellt die Empfehlungen und zugehörigen Hintergrundtexte anhand von 12 Schlüsselfragen dar. Dadurch soll sie deutlich kompakter und praxisorientierter sein als frühere Versionen. Zusätzlich wird thematisiert, dass Hausärzte*innen eine zentrale Rolle in der initialen Einschätzung spielen und definiert, wann eine Überweisung zu Fachärzten*innen empfohlen wird.

Wann ist eine fachärztliche Abklärung notwendig?

Hausärzte*innen sind meist die erste Anlaufstelle für Patienten*innen mit Husten, weshalb ihre Einschätzung entscheidend für den weiteren Verlauf ist. Die neue S2k-Leitlinie betont die Bedeutung einer strukturierten Zusammenarbeit zwischen Haus- und Fachärzten*innen und empfiehlt eine fachärztliche Abklärung insbesondere dann, wenn2:

  • der Husten länger als acht Wochen anhält und keine erkennbare Ursache vorliegt.
  • Warnzeichen wie Hämoptysen, belastungsabhängige Dyspnoe, ungewollter Gewichtsverlust oder bestehender Raucherstatus vorliegen.
  • unklare Befunde in der Bildgebung oder fehlende Besserung unter leitliniengerechter Therapie vorliegen.
  • Verdacht auf Erkrankungen wie Asthma bronchiale, COPD, interstitielle Lungenerkrankungen oder gastroösophagealen Reflux vorliegen.

Demnach sollten Hausärzte*innen die initiale Anamnese und Basisdiagnostik sowie erste Therapieversuche übernehmen. Kann durch die vorhandenen Mittel keine Diagnose gestellt werden oder liegen Warnzeichen vor, sollte an eine Facharztpraxis überwiesen werden. Ziel soll eine frühzeitige, zielgerichtete Diagnostik sein, um behandlungsbedürftige Ursachen nicht zu übersehen und chronische Verläufe zu vermeiden.

Die 12 Schlüsselfragen der S2k-Leitlinie Fachärztliche Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten 20251

Schlüsselfrage 1: Klassifizierung des Hustens

  • Klassifizierung soll nach Dauer(akut/subakut/chronisch) und Vorhandensein von Auswurf (mit/ohne) erfolgen (2025 modifizierte Empfehlung)
    •  Akut: bis zu 3 Wochen
    • Subakut: 3 bis 8 Wochen
    • Chronisch: mehr als 8 Wochen bestehend

Schlüsselfrage 2: Akuter und subakuter Husten

  • Die Ursachen sind meistens Atemwegsinfekte durch verschiedene Erreger und Allergien.
  • Eine Anamnese und körperliche Untersuchung ist ausreichend, sofern keine Red Flags (s. Schlüsselfrage 3) vorliegen.
  • In der Regel sollen keine Antibiotika verordnet werden. Freiverkäufliche Sekretolytika und Antitussiva stehen zur Verfügung

Schlüsselfrage 3: Red Flags

  • Red Flags wie Hämoptysen, hohes Fieber, Atemnot, Tumorverdacht sollen entsprechend der klinischen Situation (ggf. sofort) abgeklärt werden. (2025 modifizierte Empfehlung)
  • Die ausführliche Liste der Red Flags bei akutem und subakutem sowie bei chronischem Husten finden Sie in den weiterführenden Informationen.

Schlüsselfrage 4: chronischer Husten

  • Pneumologische Erkrankungen, Schluckstörungen, Lungenstauung, Inhalationsschäden, Erkrankungen der oberen Atemwege sowie Reflux können die Ursache sein.
  • Es soll eine zeitnahe Diagnostik und nach Diagnose eine leitliniengerechte Therapie der Grunderkrankung erfolgen. (2025 modifizierte Empfehlung)

Schlüsselfrage 5: Husten bei SARS-CoV-2

  • SARS-CoV-2 kann sowohl für akutem als auch für chronischem Husten die Ursache sein. (neues Statement)
  • Etwa 30 % entwickeln nach einer SARS-CoV-2-Infektion einen chronischen Husten – entweder im Sinne eines chronisch refraktären bzw. idiopathischen Hustens (RCC/UCC) oder als Symptom einer interstitiellen Lungenerkrankung (ILD).
  • Es gibt keine zugelassene Therapie für den Post-COVID-Husten. Eine symptomatische Therapie wie bei RCC/UCC kann durchgeführt werden. (neue Empfehlung)

Schlüsselfrage 6: Chronisch refraktärer und chronisch idiopathischer Husten

  • Chronisch refraktärer Husten (RCC): chronischer Husten, der trotz Therapie persistiert. (2025 modifiziertes Statement)
  • Chronisch idiopathischer Husten (UCC): chronischer Husten ohne erkennbare zugrunde liegende Erkrankung.
  • Es handelt sich um eine Hypersensitivität des Hustenreflexes, von der zwei Drittel der Betroffenen Frauen nach der Menopause sind.
  • RCC und UCC sollen als eigenständige Erkrankung, nicht als Symptom, diagnostiziert werden.

Schlüsselfrage 7: Husten bei chronischen Erkrankungen der oberen Atemwege

  • Chronisch entzündliche und allergische Erkrankungen, ILO/VCD, laryngeale Hypersensitivität können chronischen Husten auslösen und sollen als potenzielle Ursache berücksichtigt werden.

Schlüsselfrage 8: Husten bei gastroösophagealem Reflux

  • Refluxtherapie soll nur bei Husten mit typischer Refluxsymptomatik eingeleitet werden.
  • Eine weiterführende Diagnostik soll nur bei Husten mit typischen Refluxbeschwerden eingeleitet werden.

Schlüsselfrage 9: Husten als Asthmaäquivalent

  • Bronchiale Hyperreagibilität und eosinophile Entzündung der Bronchien können ohne klassisches Asthma Husten auslösen.

Schlüsselfrage 10: Husten auslösende Medikamente

  • Angiotensin-Converting-Enzyme (ACE)-Hemmer können chronischen Husten verursachen.
  • Bei Patienten*innen mit chronischem Husten sollen ACE-Hemmer ausgetauscht und alle verwendeten Medikamente auf Husten als potenzielle Nebenwirkung geprüft werden. (2025 modifizierte Empfehlung)

Schlüsselfrage 11: Chronischer Husten: Basis- und personalisierte Diagnostik

  • Basisdiagnostik, die bei allen Patienten*innen erfolgen soll: Röntgen-Thorax und Lungenfunktion
  • Personalisierte Erweiterung soll entsprechend bei klinischem Verdacht durchgeführt werden. (neue Empfehlung)

Schlüsselfrage 12: Husten: Therapie

  • Atemphysiotherapie sollte für den produktiven Husten und den trockenen Reizhusten durchgeführt werden.
  • Logopädie sollte bei laryngealer und pharyngealer Hyperreagibilität durchgeführt werden. (2025 modifizierte Empfehlung)
  • Medikamentöse Therapie: Eine leitliniengerechte Therapie entsprechend Grunderkrankung soll durchgeführt werden.

Unterschiede zur S3-Leitlinie Akuter und chronischer Husten der DEGAM2

Bezüglich der Empfehlungen unterscheiden sich die S2k-Leitlinie zur fachärztlichen Diagnostik und Therapie von Husten1 und die S3-Leitlinie akuter und chronischer Husten der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM)2, die bis Ende 2026 überarbeitet werden soll, nur in wenigen Punkten. Allerdings legen sie – entsprechend ihrer Zielgruppe – unterschiedliche Schwerpunkte: Während die S3-Leitlinie ihren Fokus auf den häufigsten Hustenauslöser akute Atemwegsinfekte legt und tiefer auf die Vermeidung unnötiger Antibiose eingeht, vertieft die S2k-Leitlinie eher die selteneren Ursachen und das Management des chronischen Hustens.1,2

Weiterführende Informationen

Akuter und subakuter Husten – Red Flags und wichtige Differentialdiagnosen für die unverzügliche Abklärung
 

Red FlagsWichtige Differentialdiagnosen
Ruhedyspnoe, Tachypnoe, ZyanoseLungenembolie, Asthmaanfall, COPD-Exazerbation, kardiale Dekompensation (Lungenödem), Atelektase durch Lungentumoren, schwere Infektionen (Pneumonie)
StridorVerlegung der Atemwege (Fremdkörper), Aspiration, Tumoren/Infektionen von Kehlkopf und Rachen
Tachykardie > 120/min

Lungenembolie, hochfieberhafter Infekt (Pneumonie)

Abfall der Sauerstoffsättigung (SpO2< 90 %)Schwerwiegende Lungen- und Herzerkrankungen
Akuter ThoraxschmerzLungenembolie, Pleuritis, Pleuraempyem, Pneumothorax
HämoptysenTuberkulose (Tbc), Pneumonie, Lungenembolie, Lungentumoren, Bronchiektasen
Dünnflüssiger, schaumiger AuswurfLungenstauung (Lungenödem)
Heiserkeit bei subakutem (und chronischem) HustenLungen- oder Kehlkopftumoren, Schilddrüsenkarzinom, Infektionen
Fieber (> 38,5°C)Schwere respiratorische Infekte

 

Chronischer Husten – Red Flags und wichtige Differentialdiagnosen für die unverzügliche Abklärung

Red FlagsWichtige Differentialdiagnosen
StridorVerlegung der Atemwege (Fremdkörper), Aspiration, Tumoren/Infektionen von Kehlkopf und Rachen
Dyspnoe, Tachypnoe, ZyanoseRezidivierende Lungenembolien, COPD(- Exazerbation), Linksherzinsuffizienz, Lungentumoren
Tachykardie

Lungenembolie, Infekte

HeiserkeitLungen- oder Kehlkopftumoren, Schilddrüsenkarzinom, Infektionen
FieberTbc, Infekte
Neu aufgetretener Abfall der SpOSchwerwiegende Lungen- und Herzkrankheiten
HämoptysenLungenembolie, Tbc, Lungentumoren
Nachtschweiß, GewichtsverlustTbc, Lungenkarzinom
Dysphagie, Mangelernährung und Exsikkose(Mikro-)Aspirationen, z.B. nach Apoplex, M. Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
Schwere ImmunsuppressionNeutropenie (siehe Ursachen bei akutem Infekt)
Änderung der Hustensymptomatik bei älteren Rauchern (55 bis 80 Jahre)Lungenkarzinom, Lungenfibrose
Symptome einer SystembeteiligungGewichtsverlust; Ödeme und Gewichtszunahme infolge Herzinsuffizienz
Schluckstörungen, ErbrechenAspiration, rezidivierende Pneumonien

 

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Quellen:

  1. S2k-Leitlinie Fachärztliche Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten, V4.1, Pneumologie 2025; 79: 329–357
  2. S3-Leitlinie Akuter und chronischer Husten. V3.1. DEGAM; 2021

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