Fetthaltiges Essen verstärkt Entzündung in den Atemwegen

Berlin, 28.01.2026 | Lesezeit: 2 Min.

Eine Verbindung zwischen Asthma und der Ernährung ist schon lange bekannt und Gegenstand der Forschung. Beispielsweise zeigen bevölkerungsbasierte Untersuchungen Zusammenhänge zwischen westlichen Ernährungsmustern und dem Schweregrad des Asthmas.1 Neue Daten aus Philadelphia weisen nun darauf hin, dass gesättigte Fettsäuren die Atemwegsentzündung bei neutrophilem Asthma verstärken können – unabhängig vom Körpergewicht.2 Dies rückt Ernährungsgewohnheiten stärker in den Fokus des Asthmamanagements.

Adipositas gilt seit Langem als bedeutsamer Risikofaktor für die Entwicklung und Verschlechterung von Asthma.3 Das erhöhte Risiko setzt dabei bereits pränatal ein: Studien zeigen, dass sowohl maternale Adipositas als auch eine Gewichtszunahme während der Schwangerschaft das Asthmarisiko der Nachkommen um rund 15–30 % erhöhen können.3 Die zugrunde liegenden Mechanismen sind komplex und umfassen Veränderungen des Mikrobioms, metabolische Dysregulationen sowie systemische Inflammationsprozesse. Damit rückt zwangsläufig auch ein weiterer, eng mit Adipositas und Asthma verknüpfter Faktor in den Fokus: die Ernährung. Sie beeinflusst nicht nur das Körpergewicht, sondern wirkt über verschiedene immunologische und metabolische Signalwege unmittelbar auf das Asthmarisiko und den Krankheitsverlauf.3

Ernährung und Asthma – wie hängt das zusammen?

Auch wenn Fettsäuren ein essenzieller Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sind, ist längst bekannt, dass der übermäßig häufige Konsum von Mahlzeiten mit hohem Fettanteil verschiedene, teilweise schädigende Auswirkungen auf einen Organismus haben kann. Ein zentraler Faktor dabei: Fettige Nahrung aktiviert das angeborene Immunsystem. Das macht sich auch in den Atemwegen bemerkbar. Bereits 2011 zeigte eine randomisierte Studie von Wood et al., dass eine einzelne fettreiche Mahlzeit bei Menschen mit Asthma innerhalb weniger Stunden zu einem Anstieg neutrophiler Zellen im Sputum, erhöhter TLR-4-Expression und einer Verschlechterung der Lungenfunktion führt.4

Westliche versus mediterrane Diät

Auch epidemiologische Studien untermauern den Zusammenhang der Ernährung und Asthma. Eine Metaanalyse zeigt, dass eine westliche Diät, reich an gesättigten Fetten, Zucker und hochverarbeiteten Lebensmitteln, das Asthma verstärkt. Dagegen waren mediterrane Ernährungsweisen eher protektiv gegen Asthma.1 Auch für die Entstehung von Asthma im Kindesalter spielen Ernährungsmuster eine Rolle. Laut Trambusti et al. (2020)5 ist die frühe Exposition, pränatal als auch postnatal, gegenüber bestimmten Nährstoffen wie mehrfach ungesättigten Fettsäuren und den Vitaminen D und E in der Lage, die Immunentwicklung zu modulieren. Sie sind damit gleichzeitig Gegenstand der Forschung in Bezug auf die Asthmaprävention. Beispielsweise zeigte eine Studie, dass höhere Level von Vitamin E im postpartalen maternalen Plasma die Wahrscheinlichkeit für kindliches Asthma reduzieren könnten.5

Gesättigte Fettsäuren als Entzündungstreiber

Eine aktuelle Studie2 aus den USA zeigte, dass eine Ernährung reich an gesättigten Fettsäuren eine Entzündungsreaktion in den Atemwegen auslösen kann. Dabei scheint unter anderem die langkettige gesättigte Fettsäure Stearinsäure eine entscheidende Rolle zu spielen, denn die Untersuchung zeigte, dass diese in Gewebemakrophagen und Monozyten akkumuliert. Das Ergebnis ist eine ausgeprägte neutrophile Infiltration und damit ein Entzündungstyp, der für neutrophiles Asthma typisch ist. Die Forschenden zeigten, dass eine erhöhte Menge Stearinsäure ausreichte, um eine Entzündung in der Lunge hervorzurufen – ohne, dass die Tiere fettleibig wurden. Umgekehrt wirkte sich die Verabreichung von Ölsäure, die einfach ungesättigte Variante der Stearinsäure, protektiv aus, denn sie hemmte die entzündliche Aktivität. Ähnlich wirkten auch die Blockade von Interleukin-1β und die pharmakologische Hemmung des Endonuklease-Inositol-abhängigen Enzyms 1a (IRE1a) schützend auf die Entzündungen in der Lunge. Die Forschenden konnten diesen Mechanismus sowohl in Mausmodellen als auch in humanem Gewebe nachweisen. Die Erkenntnis erweitert das bisherige Verständnis, denn nicht nur Adipositas, sondern bereits die Zusammensetzung der Nahrung selbst kann entzündungsfördernd wirken.2

Weiterführende Informationen

Sie möchten mehr über den Zusammenhang von Asthma mit Adipositas erfahren. Dann lesen Sie in diesem interessanten Artikel mehr dazu. 

Asthma, Adipositas, Ernährung – Denken Sie dabei auch direkt an das Darmmikrobiom? Wir auch – deswegen verlinken wir hier einen spannenden Artikel für Sie, der sich mit damit beschäftigt, wie das Darmmikrobiom Atemwegserkrankungen beeinflusst.

Quellen:

  1. Zhang J, et al., J Asthma Allergy. 2023 Sep 25;16:1007-1024.
  2. McCright SJ, et al., Sci Transl Med. 2025 Aug 27;17(813):eadp5653. Peters U, Dixon AE, Forno E. J Allergy Clin Immunol. 2018 Apr;141(4):1169-1179. Wood LG, et al., J Allergy Clin Immunol. 2011 May;127(5):1133-40.
  3. Trambusti I, et al., Front Pediatr. 2020 Aug 18;8:480.
  4. Novak M, Telemedicine Predicted in 1925. https://www.smithsonianmag.com/history/telemedicine-predicted-in-1925-124140942/; zuletzt abgerufen 18.11.2025

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