e-Zigarette, Shisha und Co: Ein Trend zum Abgewöhnen

Berlin, 25.01.2023 | Lesezeit: 3 Min.

Obwohl die Anzahl der Konsumenten*innen von konventionellen Tabakprodukten wie Zigaretten bis 2021 sank1, zeigte eine wissenschaftliche Befragung über das Rauchverhalten in Deutschland (DEBRA) im Dezember 2022 ein besorgniserregendes Bild: der Anteil von Raucher*innen in der Altersklasse der 14–17-Jährigen verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr.2 Zusätzlich erfreuen sich auch Alternativen wie e‑Zigaretten, Tabakerhitzer und Wasserpfeifen wachsender Beliebtheit – und das besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.1,3 Doch als Raucher*innen empfinden sich gerade die Konsumenten von Wasserpfeifen häufig nicht,4 was dazu führen kann, dass Raucher*innen in der Praxis durchrutschen. Um dies zu vermeiden wurde Mitte 2022 die Frage nach Zigarettenalternativen z. B. ins Curriculum des DMP COPD aufgenommen.5

Während der letzten Jahre ging die Zahl der Tabakzigarettenrauchenden in Deutschland bis 2021 zurück.1,3 Die Daten der deutschen Befragung zum Rauchverhalten (DEBRA), die im Dezember 2022 veröffentlicht wurden, zeigten nun eine besorgniserregende Wendung mit einem neuen Höchststand an aktuellen Tabak-Raucher*innen im Juli 2022 mit 37,6 %. In der Gruppe der Jugendlichen (14–17 Jahre) zeigte die DEBRA sogar eine Verdopplung der Konsumenten*innen.2 Bei der allgemeinen Zunahme der Anzahl dürften auch die Alternativen zum klassischen Rauchen eine Rolle spielen, denn auch die Prävalenz der e-Zigaretten-Nutzer*innen hat sich im letzten halben Jahr verdoppelt.2 Fachleute befürchten aufgrund der unterschätzten Gesundheitsrisiken der alternativen Produkte in den nächsten Jahren stark steigende Zahlen von Lungenerkrankungen.1

 

Prävalenz aktueller e-Zigarettennutzung nach Alterskategorien und Jahr der Datenerhebung

Abbildung 1: Prävalenz aktueller e-Zigarettennutzung nach Alterskategorien und Jahr der Datenerhebung für den Zeitraum 2020–2022. www.debra-study.info

Nachfragen und Aufklären

Aufgrund der bisher bekannten Gesundheitsrisiken und nicht gänzlich abschätzbaren Langzeitfolgen raten nationale und internationale Fachgesellschaften von der Nutzung von e‑Zigaretten zur Rauchentwöhnung dringend ab.6,7 So ist es auch in der nationalen S3-Leitlinie Rauchen und Tabakabhängigkeit abgebildet. Diese empfiehlt, dass e-Zigaretten nicht als Maßnahme zum Rauchstopp oder zur Rauchreduktion angesehen werden sollen und in Anamnese und Aufklärung den alternativen Produkten die gleiche Wichtigkeit wie klassischen Tabakzigaretten beigemessen werden.8 Gerade bei Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen ist das besonders wichtig, das spiegelt sich beispielweise in der Aufnahme von Alternativen zu Tabakzigaretten in das Curriculum des Disease Management Programms COPD wider.5 Für die Praxis heißt das also: genau nachfragen, dokumentieren und über die Gefahren der Produkte aufklären.

Die Alternativen zur Tabakzigarette

Die wohl bekannteste Alternative zu Tabakzigaretten sind e-Zigaretten oder Verdampfer.1 Sie enthalten ein sogenanntes Liquid, eine wasserbasierte Flüssigkeit mit verschiedenen Zusatzstoffen, vor allem Propylenglykol und Glycerin, aber auch Aromastoffe werden zugesetzt. E-Zigaretten sind sowohl mit als auch ohne Nikotin erhältlich. Das Liquid wird mithilfe einer Heizspirale verdampft und das entstehende Aerosol inhaliert.6 Weniger weit verbreitet sind Tabakerhitzer.1 Zu einem Stift gepresster und mit Glycerin versetzter Tabak wird erhitzt und der Dampf eingeatmet.9 Diese Produkte werden als „gesündere“ Alternative zu Tabakzigaretten beworben und werden in den letzten Jahren immer häufiger genutzt.1 Zusätzlich dazu werden auch Wasserpfeifen in Deutschland immer beliebter, besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.1,3 Für das Rauchen von Wasserpfeifen in Gaststätten gelten Sonderreglungen10 und sogenannte Shisha-Bars sind in den meisten Innenstädten vermehrt anzutreffen. Gerade die große Beliebtheit bei Minderjährigen gibt Experten*innen Grund zur Sorge.3

Die große Unbekannte

Die alternativen Produkte zur Tabakzigarette werden oft als wesentlich weniger ungesund wahrgenommen. Allerdings sehen Forschende das gesundheitsschädliche Potential des neuen Rauchens.6,11 Bei e-Zigaretten und Tabakerhitzern wurden zwar durch die andere Form der Erhitzung keine Verbrennungsprodukte nachgewiesen, jedoch werden trotzdem schädliche Abbauprodukte erzeugt.6 Die Trägerstoffe Propylenglykol und Glycerin werden beim Erhitzen unter anderem zu Formaldehyd, Acrolein und Acetaldehyd umgesetzt, die zellschädigend wirken und krebserregend sein können.6 Auch die zugesetzten Aromastoffe können toxische Produkte bilden.6 Aufgrund der Vielzahl der Stoffe und variablen technischen Parametern verschiedener Verdampfer ist das toxikologische Profil daher kaum abschätzbar.6 Aromastoffe sind meist auch in Shisha-Tabak enthalten. Die Filterwirkung durch das Wasser ist für viele der im Rauch enthaltenen Stoffe im Vergleich zu Zigarettenfiltern gering.11 Außerdem birgt der Konsum von Wasserpfeifen zusätzlich zu den mittelfristigen Gesundheitsrisiken auch eine erhöhte akute Gefahr einer Kohlenmonoxid-Vergiftung.12 Zu den Langzeitfolgen für die Gesundheit ist die Studienlage für die jungen Produkte bisher noch sehr gering.8 Aufgrund der Daten zu kurz- und mittelfristigen Folgen kann aber davon ausgegangen werden, dass das langfristige Risiko für Lungen- und Herzkreislauferkrankungen sowie Karzinome hoch ist.6

Weiterführende Informationen

Sie benötigen Infomaterialien, die Sie Ihren Patienten*innen mitgeben können? Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stellt Info-Flyer wie „Vorsicht Wasserpfeife“ oder „E-Zigarette & Tabakerhitzer“ zur Verfügung.


Quellen:

  1. Kraus L, et al. Dtsch Arztebl Int, 2022; 119(31–32): 535–541
  2. DEBRA study – Deutsche Befragung zum Rauchverhalten (Stand: 02.01.2023)
  3. Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2019, 2020
  4. Ist Shisha rauchen schädlich? I NichtraucherHelden, Stand: 02.01 2023
  5. Pressemitteilung Gemeinsamer Bundesausschuss: Lungenkrankheit COPD: G-BA aktualisiert seine Anforderungen an das DMP. 18.08.2022
  6. Franzen KP, et al.Dtsch Med Wochenschr, 2022; 147: 1481–1486
  7. Tabakentwöhnung und E-Zigarette (pneumologie.de), Stand 16.12.2022
  8. AMWF, S3-Leitlinie “ Rauchen und Tabakabhängigkeit: Screening, Diagnostik und Behandlung” Langfassung, Version 3.1, 2021
  9. “Heat-not-burn”: Ähnliche Zellschäden wie bei E- und herkömmlichen Zigaretten, in Kompakt Pneumologie. 2019, Biermann Verlag: Köln
  10. MBl. NRW. Ausgabe 2020 Nr. 25, 24.9.2020 S. 577–610 | RECHT.NRW.DE, Stand: 02.01.2023
  11. Holt JCM, et al. Toxicol Rep, 2022; 9: 945–950
  12. Gefahren Shisha (rauch-frei.info), Stand: 02.01.2023

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